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Prävention für gutes Hören

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Gerade die neue Erfahrung, dass wir uns mit Maske unterhalten müssen, zeigt, wie wichtig gutes Hören ist. Im Gespräch mit Dr. Michel Irla erfahren wir einiges dazu. Der Hals-Nasen-Ohren Spezialist mit eigener Praxis im See-Spital Kilchberg hat auch einige Tipps zur richtigen Ohrenpflege.

Ein schleichender Hörverlust beim Älterwerden ist leider häufig, viele bemerken zu Beginn kaum etwas davon. Der Mediziner rät zu einem Audiogramm, wenn sich das Hörvermögen subjektiv verschlechtert, Verständigungsprobleme oder Symptome wie Tinnitus und Schwindel auftreten. Ab dem Alter von 60 Jahren lohnt sich ein routinemässiger Untersuch. Ein frühzeitiges Reagieren auf einen sich abzeichnenden Verlust an Hörleistung kann massgeblich dazu beitragen, dass die heutigen Hörgeräte, die kleine technische Wunderwerke sind, durch das Gehirn gut akzeptiert werden. Nicht selten ist ein zu spätes Einsetzen von Hörhilfen mit grossen Problemen verbunden, weil man sich bereits an das schlechtere Hören gewöhnt hat und nicht mehr an die wieder gute Hörqualität anpassen kann.

Auch eine professionelle Ohrenreinigung beugt einer Hörminderung vor. Aber nicht nur das. Gerade vor der Badesaison ist eine solche Massnahme sinnvoll, da gereinigte Gehörgänge einen gewissen Schutz vor einer Ohrentzündung durch das Eindringen von Wasser bieten.

Heute ist es nicht mehr zwingend, wie einst Ludwig van Beethoven als fast tauber Mensch durch das Leben gehen zu müssen. In vielen, wenn auch nicht in allen Fällen, lassen sich mit verschiedenen Massnahmen Hörminderungen korrigieren, fast wie mit einer Brille das Sehvermögen verbessert werden kann.

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Wartezimmer

Wir sprachen mit dem Spezialisten, Dr. Michel Irla.

Herr Dr. Irla, stimmt es, dass die Maskentragpflicht auch etwas mit dem Gehör zu tun hat?

«Ja und nein. Natürlich wird das Gehör durch das Tragen der Masken nicht beeinflusst, was sich aber verändert ist die Sprachqualität. Bereits ein leicht geschädigtes Gehör kann gewisse Laute nicht mehr gut wahrnehmen, wenn dann die Maske die Aussprache noch dämpft, wird das viel deutlicher.»

Sie haben uns gesagt, dass ein gereinigtes Ohr besser hört. Also einmal wöchentlich mit dem Wattestäbchen das Ohr vom Ohrenschmalz befreien?

«Auf keinen Fall. Das ist die schlechteste aller Lösungen. Der Ohrenschmalz ist für das Ohr sehr wichtig und das Ohr regeneriert diesen eigentlich selbstständig. Dennoch raten wir Fachärzte aber dazu, das Gehör regelmässig, ein bis zweimal pro Jahr professionell reinigen zu lassen. Das beugt Entzündungen vor, hilft rechtzeitig chronische Erkrankungen im Gehörgang zu erkennen und auch das Hörvermögen zu erhalten.»

Warum empfehlen Sie, dass man schon bei relativ geringem Hörverlust über den Einsatz von einem Hörgerät nachdenkt?

«Das hat mit der Anpassungsfähigkeit des menschlichen Gehirns zu tun. Wenn man sich über viele Jahre an ein laufend abnehmendes Hören gewöhnt, fällt es dem Hirn später umso schwerer, sich wieder an eine gute Hörleistung zu gewöhnen.»

Hand aufs Herz, wer will denn schon in jungen Jahren ein Hörgerät tragen?

«Dafür habe ich ein gewisses Verständnis. Aber heute sind kleinste Geräte, die kaum noch wahrnehmbar sind, auf dem Markt. Zudem können diese kleinen Wunderwerke der Technik enorm viel und erhöhen das Lebensgefühl deutlich. Lassen Sie sich von den Spezialisten beraten.»

Sie befassen sich ja nicht nur mit dem Gehör. Im Wonnemonat Mai ist auch Pollenallergie ein grosses Thema. Müssen tränende Augen und laufende Nasen heute wirklich noch sein?

«Nein, das ist in den meisten Fällen nicht mehr nötig. Mit einer gezielten Desensibilisierungs-Therapie kann fast allen Patient:innen geholfen werden. Es braucht allerdings zuerst die Erkennung der allergischen Stoffe und dann Geduld. Eine Immunität ist nicht nach der ersten Behandlung möglich.»

«Hörverlust entsteht häufig schleichend – frühes Reagieren trägt dazu bei geistig im Senium länger fit zu bleiben.»

Dr. med. Michel Irla
ORL Zürich Park Side, Kilchberg

ZPS – Knowledge is power, educate with us

Tinnitus: Ohrenpfeifen, jeder kennt es – keiner weiss woher es kommt und durch was es verursacht wird. Je nach Alter des Patienten ist Tinnitus durch Altersschwerhörigkeit bedingt jedoch muss ein Arzt bestätigen, dass keine pathologischen Ursachen dahinterstecken. Eine interessante Tatsache ist, dass das Ohrenpfeifen auch etwas Gutes sein kann. In vielen Fällen kann es ein Stressindikator sein, welcher dem Patienten mitteilt sich etwas Ruhe zu gönnen.

Presbyakusis: Altersschwerhörigkeit, betrifft meist Menschen ab 50 Jahren. Beide Ohren erweisen eine Funktions-Minderung. Der Patient hat Schwierigkeiten hohe Töne wahrzunehmen. Eine richtige Diagnose kann jedoch erst mittels eines Hörtestes festgestellt werden. Der Hörverlust im Alter wird mit Hilfe eines Hörgerätes behandelt und sollte ernst genommen werden. Bei Nichtbehandlung besteht Gefahr von einem sozialen Rückzug und sogar psychischen Folgen.

Training fürs Gehör: Das Ohr und die Fähigkeit zu hören lassen sich trainieren. Mit einer einfachen Übung kann die Hörqualität länger erhalten oder wiedererlangt werden. Da die Übung keine Utensilien benötigt – kann sie überall durchgeführt werden. Unterwegs ist man von diversen Klängen und Tönen umgeben, nehmen Sie platz und konzentrieren Sie sich auf die Geräusche, die Sie umgeben. Was sind das für Geräusche? Woher kommen Sie? Sind alle gleich angenehm? Mit dieser einfachen Konzentrationsübung werden wir und unsere Ohren erneut etwas sensibilisiert und die Hörqualität verbessert sich.