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«Mein grösster Traum ist Hawaii»

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Robin Hermann ist einer der hoffnungsvollsten Triathlon-Nachwuchstalente der Schweiz. Der Langnauer Sportbegeisterte findet neben dem intensiven Trainings- und Wettkampfsprogramm sogar noch Zeit für ein ETH-Studium. Zürich Park Side Magazin traf den jungen Ausnahmesportler zum Gespräch.

Es gibt Menschen, die scheinen scheinbar mühelos mehrere Leben parallel zu leben. So auch Robin Hermann aus Langnau am Albis. Der 21-Jährige gehört spätestens seit seinem überraschenden 10. Platz an der Halbdistanz-Weltmeisterschaft in Südafrika vor drei Jahren zu den Stars der jungen Schweizer Triathleten. Aber wie lässt es sich erfolgreich an der Spitze der Sport-Elite mitmischen, wenn man eigentlich gerade ein anspruchsvolles Studium an der ETH in Zürich absolviert? Das haben wir den bestens gelaunten, sehr locker wirkenden Profisportler bei unserem Interview-Treffen gefragt – und ob er manchmal nicht heimlich das Leben eines ganz normalen 21-Jährigen vermisst.

«Wie ich mein Studium und den Hochleistungssport unter einen Hut bringe, ist eine Frage des Timings und der Regeneration.»

Robin Hermann
Triathlet

Warum wird man Triathlet?

Robin Hermann: «Der Anstoss kam vor rund sechs Jahren von meinem Vater. Er wollte es mit Anfang 40 fitnesstechnisch nochmals wissen und fasste, zusammen mit einem Kollegen, den Entschluss, einen Triathlon zu meistern. Was aus einer Schnapsidee heraus begann, setzte er schliesslich in die Realität um. Heute ist mein Vater 50 und nimmt an diversen Ironman-Wettkämpfen teil. Das hat mich inspiriert.»

Besassen Sie beide bereits eine sportliche Basis?

«Mein Vater und ich waren damals beide nicht sonderlich sportlich. Ich spielte etwas Fussball, ging ab und zu ins Karate und war wohl der schlechteste Schwimmer der Schule. Aber ich wollte es ausprobieren. Schliesslich empfand ich richtig Spass daran, immer besser zu werden und aufzuholen. Ich war damals 16 und habe einfach mit dem Trainieren begonnen, relativ unwissend, dafür mit Ehrgeiz.»

Irgendwann kam ein Coach hinzu?

«Der mir einen richtig professionellen Trainingsplan erstellte. Damals begannen wir mit 8 Stunden Training in der Woche, heute sind es im Winter im Schnitt 12 bis 17 und im Sommer maximal 30 Stunden. Dabei trainiert man nicht alle drei Disziplinen hintereinander, sondern nur zwei. Im Winter wird das Programm mit Krafttraining und Mobilisierung ergänzt, vor allem, um Verletzungen vorzubeugen.»

Sie haben als 19-Jähriger, nach kaum drei Jahren des Trainings, an der Weltmeisterschaft in Port Elizabeth, Südafrika, den zehnten Platz ergattert. Gab Ihnen das den ultimativen Ansporn?

«Man kann sagen, dass ich da einen besonders guten Lauf hatte. Aber man muss hinzufügen, dass sich die grösste Konkurrenz eher an den europäischen Wettkämpfen trifft. So schaffte ich es dieses Jahr an der Halbdistanz-Weltmeisterschaft in Nizza auf Rang 24. Darauf bin ich stolz.»

Was wird bei einem Halbdistanz-Wettkampf gefordert?

«1.9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Rennrad und ein 21 Kilometer-Lauf. Daneben gibt es den Langdistanz-Wettkampf, den klassischen Ironman und zwei kürzere Challenges. Der eigentliche Ironman besteht also aus der doppelten Distanz der Wettkämpfe, die ich derzeit bestreite: Dabei werden 3.9 Kilometer geschwommen, 180 Kilometer auf dem Rad zurückgelegt und 42 Kilometer gerannt. Brutal.»

Was begeistert Sie an dieser kräftezehrenden Sportart, die so viel abverlangt?

«Sicherlich die Abwechslung durch die drei Disziplinen, wobei ich das Fahrradfahren mit Abstand am liebsten tue. Ich mag es, so schnell voran zu kommen und wenn die Landschaft an mir vorbeifliegt. Auch Schwimmen ist mit der Zeit zu einer Leidenschaft geworden. Und der Lifestyle ist toll. Ich lerne so viele Menschen kennen, kann reisen, da es nur zwei grosse Wettkämpfe in der Schweiz gibt. Alle anderen sind in Europa oder weiter weg.»

Da denkt man sofort an den berühmten Ironman in Hawaii…

«Das ist mein grosses Ziel und mein absoluter Traum: Einmal als Profi auf Hawaii beim ältesten Ironman der Welt, dem Ironman World Championship, mit dabei zu sein.»

Was steht im 2020 an?

«Im kommenden Mai bestreite ich die Halbdistanz-Challenge in Riccione und im Juni werde ich meinen diesjährigen Sieg des Ironman 70.3 in Rapperswil, dem berühmtesten Halbdistanz-Wettkampf der Schweiz, verteidigen. Dort treffen jeweils die besten Schweizer an und messen sich. Ebenfalls im Juni findet in Helsingör, Dänemark, die Europameisterschaften statt. Später stelle ich mich dann vielleicht auch zum ersten Mal einem ganzen Ironman, entweder in Cascais, Portugal, in der Emiglia Romagna oder in Wales. Je nachdem, wie mein Jahr verläuft.»

Wie sieht die Ernährung eines Triathleten aus?

«Ich habe mich da professionell unterstützen lassen. Anhand einer Stoffwechselanalyse bei Woo-Nutrition in Wädenswil konnte ich meinen Ernährungsplan individuell anpassen und sinnvoll ergänzen. Ich achte darauf, wenn ich mich im normalen Trainingsrhythmus befinde, möglichst wenig Kohlenhydrate zu essen. Dafür brauche ich genug Eiweiss, also Protein, was ich mit Eiern und etwas Fleisch abdecke. Ebenfalls wichtig sind gesunde Fette. Gute Quellen sind hier Avocados, Nüsse und Olivenöl.»

Spitzensportler trainieren auch den Geist…

«Vielleicht starten wir nächstes Jahr gezielt mit Mentaltraining. Bisher hatte ich auch noch nie richtige Probleme vor oder während Wettkämpfen. Manchmal, wenn ich bei der ersten Disziplin am Beckenrand stehe, frage ich mich schon, warum ich das alles mache. Aber spätestens, wenn ich auf dem Rennrad sitze, geht es mental nur noch aufwärts und die Motivation ist wieder voll da.»

Gibt es Rituale, die Ruhe verleihen?

«Ich bin von Natur aus ein relativ gelassener Typ. Aber mir hilft meine spezielle Trainings-Routine am Tag vor dem Wettkampf: Laufen und eine Rennrad-Einheit, auch um das Rad nochmals zu testen. Und mein abendliches „carbo loading“-Lieblingsessen, um Kohlenhydrate zu bunkern: Pasta mit Tomatensauce, Burrata und Gemüse.»

Sie starten derzeit mit den Halbprofis Ihrer Alterskategorie?

«Es starten in dieser Gruppe alle gemeinsam, bewertet wird man jedoch nach Altersgruppe. Ich befinde mich derzeit in der Kategorie der 18 bis 24-Jährigen. Eventuell starte ich jedoch bald mit den Profis. Die Lizenz erhält, wessen letztes Ergebnis innerhalb der zehn Prozent des Sieger-Resultates liegt. Das habe ich dieses Jahr nur knapp verfehlt.»

Wie fühlen Sie sich jeweils nach einem Wettkampf?

«Ausgepowert. Aber der anregende Austausch mit den anderen Teilnehmern lassen dich das vergessen. Es dauert meist noch den ganzen Abend, bis ich wieder abschalten kann. Richtig zur Ruhe komme ich meistens erst, wenn ich im Bett liege. Aber an Schlaf ist dann auch noch nicht zu denken.»

Fehlt Ihnen manchmal nicht das „normale“ Leben eines 21-jährigen Studenten?

«Ich war nie der Ausgangs-Typ und mag auch keinen Alkohol. Das Feiern fehlt mir in dem Sinne nicht. Ich verbringe die meiste meiner übrigen Zeit mit meiner Freundin, die zur Elite der Cross-Bike-Sportlerinnen gehört. Wir versuchen, möglichst nicht zu viel über Sport zu reden. Ja, ich hätte gerne mehr Zeit für meine Kollegen, die mich und mein Leben aber glücklicherweise verstehen.»

Sie studieren an der ETH Zürich Gesundheitswissenschaften und Technologie. Wie lässt sich ein halbprofessioneller Sportberuf mit dem Studium vereinen?

«Es ist eine Frage des Timings und der Kraft, respektive der Regeneration. Denn, Regeneration ist beim Triathlon besonders wichtig, da man sonst keine Fortschritte erzielt. Es braucht Disziplin und Motivation, vor und nach den Stunden an der Uni noch zu trainieren. Oder nach einem langen Tag an der Uni morgens um fünf Uhr wieder mit einem Training zu beginnen. Aber ich betrachte es auch als ein grosses Privileg, dass ich beides gleichzeitig tun kann. Wenn ich bereits im Berufsleben stünde, liesse sich das kaum vereinbaren.»

Gibt es dennoch Kompromisse, die Sie eingehen müssen?

«Ja, etwa, dass ich nächstes Jahr nicht an der Weltmeisterschaft in Neuseeland teilnehmen kann. Dies ist noch nicht zu 100 Prozent sicher, wird aber zeitlich einfach schwierig umsetzbar. Denn zusätzlich muss Zeit für die Akklimatisierung eingeplant werden. Im September droht mir auch noch der WK, von dem ich nicht befreit werden kann.»

Sie sind in Langnau aufgewachsen und wohnen auch immer noch dort. Was schätzen Sie an der Region?

«Besonders schön ist sicher der Sihlwald, der sich gleich bei uns ums Eck befindet. Da habe ich auch meine Freude am Sport entdeckt. Fürs Mountainbiken ist das einfach ein grossartiger Ort. Zudem kann ich mit meinem Rennrad entweder zum Zürichsee, Zugersee, durchs Sihltal, oder noch weiter in Richtung Innerschweiz fahren.»

Was sind Ihre Sommer-Hotspots in der Region?

«Die Käpfnach-Badi in Horgen ist mein Lieblingsschwimmbad, das wirklich genial ist. Früher ging ich auch sehr gerne in der Sihl baden. Das Highlight danach war das Grillieren am Ufer. Schätzen tue ich auch die vielen Spazierwege des Albis und das Albishaus. Und in Wädenswil trifft man mich oft auf der besonders schönen Minigolfanlage an.»

Robin Herrmann Sideshot

Robin Herrmann im Gespräch

Robin Hermann Cover Foto

Robins grösste Erfolge

2017: 3. Platz Duathlon Schweizermeisterschaften, Marbach
2018: 2. Platz Ironman 70.3. Sunshinecoast, Mooloolaba, Australien
2018: 1. Platz Tristar 111, Rorschach
2018: 10. Platz Weltmeisterschaften Ironman 70.3., Port Elizabeth, Südafrika
2019: 1. Platz Ironman 70.3, Rapperswil
2019: 2. Platz Cross-Triathlon, Vallée de Joux, Jura