Simone Wild

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Leidenschaft Ski

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Früher fuhren die Kids aus der Region noch auf dem Albis Ski. Das ist heute kaum noch denkbar. Warum wird Skifahren also für eine junge Frau aus Adliswil zur Leidenschaft? Im Interview spricht Simone Wild über ihr Leben mit dem Spitzen-Sport und dessen Höhen und Tiefen.

«Die grösste Herausforderung für einen erfolgreichen Renntag ist psychische Fitness.»

Simone Wild
Skirennfahrerin aus Adliswil

Interview mit Simone Wild, 28 Jahre alt, Skirennfahrerin aus Adliswil.

Wo hat deine Karriere begonnen?

Als Kind war ich immer in den Flumserbergen in der Ferienwohnung meiner Eltern, dort habe ich Skifahren gelernt. Ich verbrachte fast jedes Wochenende und alle Winterferien dort. Schon früh trat ich dem Skiclub bei und entwickelte so meine Leidenschaft für das Skifahren.

Wie sieht dein Trainingsalltag aus?

Nach dem Aufstehen mache ich als erstes Mobilitäts-Übungen und etwas Yoga um mich für den Tag einzuwärmen. Danach gibt es ein ausgiebiges Frühstück, damit ich genügend Energie für den Tag habe. Anschliessend geht es auf die Skier. Üblich sind 6-8 Läufe pro Trainingseinheit. Doch bevor wir losfahren dürfen, besichtigen und besprechen wir die Piste. Zurück im Hotel gibt es ein leichtes Auslauftraining auf dem Hometrainer. Nach dem Mittagessen brauche ich mein geliebtes Power-Nap (lacht), so bin ich wieder fit für das nachmittägliche Konditionstraining für Kraft und Schnelligkeit. Am Nachmittag darf auch die tägliche Pause im Team nicht fehlen. Zusammen trinken wir Kaffee und teilen uns ein Stück Kuchen. Abgeschlossen wird der Trainingstag mit der Videoanalyse meiner Läufe vom Morgen und dem Vergleich zu anderen Fahrerinnen.

Welches ist dein liebster Tagesabschnitt?

Natürlich schon die Zeit auf den Skiern. Ich finde einer der schönsten Momente ist, wenn wir am morgen früh mit der Bahn auf den Berg kommen, die Sonne aufgeht und ich einfach draussen in der Natur sein darf. Obwohl, wenn wir sehr früh mit dem Training starten, freue ich mich als erstes auf den Power-Nap am Nachmittag (lacht).

Was ist der härteste Teil der Vorbereitung auf die Saison?

Zum einen ist dies das tägliche Konditionstraining und zum anderen das Skifahren auf dem Gletscher. Zwischen Juli und November liegt normalerweise in den Skigebieten noch kein Schnee, deshalb müssen wir hoch auf die Gletscher in Zermatt oder Saas Fee. Dort ist die Luft deutlicher dünner und das Training wird dadurch intensiver. Dazu kommt die mühsame Anreise zum Gletscher mit mindestens einer Stunde Gondelfahrt. Und das mit drei verschiedenen Paar Skiern und viel Gepäck.

Wie sieht deine Ernährung in der Vorbereitung aus?

Die Ernährung ändert sich nicht in der Vorbereitungs-Phase. Ich achte immer darauf, mich ausgewogen zu ernähren und setze mich bewusst mit dem Thema auseinander. Was in den Hotels, in welchen wir während der Trainings oder Rennen untergebracht sind, manchmal schwierig ist. Dort müssen wir essen, was wir vorgesetzt bekommen.

Welches ist deine wichtigste Eigenschaft zum Erfolg in deinem Beruf?

Definitiv mein Durchhaltewille. Er hat mir in der schwierigen Zeit viel geholfen. Vor ein paar Jahren kämpfte ich mit einer Entzündung im Knie. Durch die Schmerzen hatte ich weniger Vertrauen in mein Können, was sich negativ auf meine Fahrten auswirkte. Je schlechter ich fuhr, desto mehr zweifelte ich. Es war ein Teufelskreis und schlussendlich Kopfsache. Letzte Saison wurde mir klar, ich muss etwas ändern und will es auch. Mit Hilfe eines Sportpsychologen und meinem Durchhaltewillen gewann ich die Freude an meinem Beruf zurück.

Welches ist dein persönliches Highlight deiner Sportkarriere?

Ich habe wirklich viele Highlights, einfach weil ich so viel Spannendes erleben darf. Als grösstes Highlight würde ich meine Olympiaqualifikation 2018 bezeichnen, welche ich mit dem vierten Platz im Riesenslalom in der Lenzerheide geschafft habe.

Wie hast du dieses Highlight des vierten Platzes in der Lenzerheide erreicht?

Eine wirkliche Erklärung habe ich nicht gefunden. Die ganze Saison war eher verkorkst und plötzlich erreichte ich so ein Resultat. Was es sicher braucht ist der Kopf. Die grösste Herausforderung an einen Renntag ist, dass man wirklich bereit ist. Für ein Rennen muss ich locker sein und doch auch angespannt. Ein gutes Mittelmass zu finden ist schwierig.
Was mir hilft, sind die immer gleichen Abläufe am Renntag. Zum einen höre ich beim Einwärmen am Start immer dieselben Lieder. Zum anderen versuche ich „im Moment zu sein“. Dies gelingt mir mit verschiedenen Atemtechniken. Auch hilft es mir, dass ich weiss, ich bin immer top vorbereitet.

Was ist dein Ziel in dieser Saison?

Ein erstes Ziel konnte ich bereits erreichen, indem ich mir einen Fixplatz im Weltcup erkämpfen konnte und so an jedem Weltcup-Rennen teilnehmen darf. Das nächste Ziel ist nun unter die Top 30 zu fahren. Aber im Hinterkopf habe ich natürlich schon auch die erneute Olympiaqualifikation. Jedoch ist die Konkurrenz sehr gross.

Wie geniesst du deine Sommerpause?

Unsere «Sommerferien» sind im Frühling, dann ist die beste Zeit für eine Cheat-Week. Anfangs Mai fängt bereits das Konditionstraining an. Ab dann sind wir wochenweise mit dem Team in Magglingen um gemeinsam zu trainieren.

Wo ist dein Lieblingsplatz in der Region?

Definitiv die Badi in Rüschlikon, dort kann ich abschalten und mich entspannen.

Wie unterstützen dich deine Familie und Freunde?

Oh, sie ertragen mich zuhause (lacht). Oder sie bauen mich wieder auf nach einem Misserfolg und sind einfach für mich da nach einem schlechten Tag. Am meisten helfen mir die Abende am Familientisch. Die Unterstützung meiner Familie und Freunde ist sehr wertvoll für mich.

Simone Wild

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Olympische Spiele

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Die ersten Olympischen Spiele fanden bereits vor rund 2800 Jahren im antiken Griechenland statt. Schon damals wurden sie in einem Abstand von vier Jahren ausgetragen. Die Spiele hatten eine grosse Bedeutung, da während dieser Zeit ein Waffenstillstand im Land galt.
Sie wurden bis 393 nach Christus veranstaltet und dann erst wieder im 18. Jahrhundert neu eingeführt. Massgeblich an der Wiederbelebung beteiligt war der französische Pädagoge, Historiker und Sportfunktionär Pierre de Coubertin. 1894 gründete er das Internationale Olympische Komitee, dessen zweiter Präsident er von 1896 bis 1925 war.

In den ersten Olympischen Spiele der Neuzeit im Jahre 1896 traten 250 Athleten und Athletinnen aus 14 verschiedenen Ländern an. Die Teilnehmerzahl stieg im Laufe der Jahre kontinuierlich und bei den Olympischen Spiele in Tokio waren es schon über 11‘000 Sportler und Sportlerinnen, die aus 208 verschiedenen Nationen stammten. Die Gesamtzuschauerzahl wurde 1896 auf etwa 312‘000 geschätzt. Auch hier gab es eine deutliche Steigerung; an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro im Jahr 2016 standen rund 7.5 Mio. Tickets zur Verfügung und vor den Bildschirmen in aller Welt verfolgten über 45 Millionen Zuschauende die Wettkämpfe.

Da die japanische Regierung im Juli den Corona-Notstand ausrief, fanden die Sommerspiele vom 23. Juli bis 8. August 2021 ohne Zuschauer statt und wurden sogar «Geisterspiele» genannt. Mit 13 Medaillen schnitt die Schweiz im Vergleich zu den vergangenen Jahren sehr erfolgreich ab. Belinda Bencic (Tennis), Mathias Flückiger (Rad) oder Nina Christen (Schiessen) sind nur einige Namen, die die Schweiz hervorragend vertreten und Medaillen nach Hause gebracht haben.

Im Winter 2022 ist bereits wieder Olympia-Zeit. Im Februar wird in Peking um olympisches Gold in 15 Sportarten gekämpft. Ralph Stöckli, Delegationsleiter des Schweizer Teams, rechnet damit, dass sich rund 180 Athlet:innen eine Selektion erarbeiten können.