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Fashion-Expertise in Thalwil

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Daniella Trefny lebt heute ihren Kindheitstraum, wenn auch ein klein wenig anders als ursprünglich geplant. Das Zürich Park Side Magazin traf die Fashion-Expertin und Kunst-Kennerin Daniella Trefny in Thalwil zum Gespräch in ihrem renommierten Mode-Geschäft «Daniella Boutique Rita Hess».

Wie hat sich Ihre Lebensgeschichte mit der Mode verwoben?

Schon als Kind skizzierte ich unentwegt erste Modekreationen und wünschte mir eine Karriere als Mode-Designerin oder Künstlerin. Um diesem Traum näher zu kommen, besuchte ich mit 18 einen Sommer lang die berühmte ESMOD in Nizza. Ein Jahr später absolvierte ich ein Praktikum bei einem renommierten Designer in Paris.

Man erinnert sich dabei gerne an einen Karl Lagerfeld…

Ja, es muss aus Dir heraussprudeln, immer wieder ganz frisch. Ich war gut, aber eben nicht gut genug, auch wenn ich genügend Leidenschaft für den Beruf aufbrachte. Ich habe mich dann entschlossen, Kunstgeschichte zu studieren.

Wie kamen Sie dann wieder zur Mode?

Ich habe während des ganzen Studiums immer in der Modewelt gearbeitet. In dieser Zeit habe ich praktisch alles gemacht: Fensterdekorationen gestaltet, beim Einkauf geholfen, mich um die Administration gekümmert. Und ich habe viel geputzt und aufgeräumt. Dann war plötzlich mein Studium beendet.

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«Als Modedesigner wird man geboren»

Daniella Trefny
Geschäftsführerin «Daniella Boutique Rita Hess»

Danach folgte die Ära Trudi Götz?

Genau. Dort konnte ich ganz Vieles selbst entscheiden. Trudi Götz hatte damals ein sehr gutes Gespür für jene, die Talent hatten und schenkte diesen Mitarbeitern viel Freiheit. So konnte ich etwa für meine Kundinnen selbst einkaufen. Sie gab mir eine «Carte Blanche». Das war eine tolle Zeit, die etwa vier Jahre dauerte. Dann bekam ich meinen Sohn.

Nahmen Sie sich eine Auszeit?

Für mich war damals klar, dass es nur entweder oder gibt und es das Schönste im Leben ist, ein Kind zu haben. Ich wollte mich ganz meinem Kind widmen, es wirklich begleiten. Eigentlich hätte ich gerne ganz viele Kinder gehabt. Aber es blieb dann bei dem einen (lacht). Er wird jetzt im Januar 28.

Ist Ihr Sohn auch bei den Familien-Shootings, die ihr ja zwei Mal im Jahr veranstaltet, mit dabei?

Er war bei unserem ersten Shooting dabei. Aber dann ist er nach Kolumbien ausgewandert. Er arbeitet in Medellin in einem 5-Sterne-Hotel im Sales. Beim Family-Shooting sind nicht immer alle mit dabei, sondern einfach die, die gerade Zeit haben.

Und als Ihr Sohn Edmond etwas grösser war?

Habe ich wieder begonnen zu arbeiten, vor allem auf der Verkaufsseite. Etwa für den Globus-Konzern oder die Modissa. Für mich steht der Mensch im Mittelpunkt, das ist es, was mich reizt. Ich liebe es, Menschen zu verschönern. Modissa war damals im Umbruch und ich auch. Wer bin ich, was möchte ich selber? Denn eigentlich wollte ich immer schon eigenständig arbeiten.

Hatten Sie ein klares Businessmodell?

Wenn du eine eigene Boutique hast, kannst du dich auch selbst verwirklichen. All das, was du erlernt hast, verbindet sich mit dem, was du spürst und mit deinen Erfahrungen. Dies ergibt ein Zelebrieren – und zwar auf dem Niveau, welches du wählst. Wenn man Kleider kauft, sollte man sich bewusst machen, was man eigentlich einkauft. Für mich ist «fast fashion» kein Thema. Mode als Bestandteil der Persönlichkeit, sollte eine gewisse Langlebigkeit besitzen, von höchster Qualität sein und die Kunst des Handwerks wiederspiegeln. Es muss auf jeden Fall jegliche Form von Kinderarbeit ausgeschlossen werden können.

Boutique Rita Hess

Und Ihr Kunststudium?

Mode und Kunst sind ja sehr eng miteinander verwoben. Mode hat viel mit Kunsthandwerk und Können zu tun. Es ist etwas, was du umsetzt, was in dir drin ist, man kann etwas entstehen lassen. Bis heute sind Kunstbücher, die hier im Geschäft aufliegen, meine Inspiration. Dies setze ich dann in spezielle Schaufenster-Dekorationen um und mit den handgezeichneten Schildern für Markenwelten und Artikelinformationen.

Wie steht es mit dem Dienst am Menschen?

Wenn ich einen Menschen darin begleiten kann, seine ganz eigene Individualität zu finden und diese zu unterstreichen, dann ist das einzigartig. Die meisten Kleiderschränke sind ja heute voll und man besitzt zu viel. Es sollte Sinn machen, was man kauft. Bei der Beratung entsteht auch eine sehr persönliche Beziehung zur Kundin. Manche meiner Kundinnen bezeichne ich wirklich als Freundinnen. Diese Räumlichkeiten strahlen etwas Magisches aus. Hier verbringt man Zeit miteinander und teilt Gefühle aus.

Das Spezielle an eurem Shop ist, dass ihr sowohl Damen-Mode als auch Mode für Herren anbietet.

Wir zelebrieren gerne den Einkauf für Paare. Auch wenn das schlussendlich viel mehr Arbeit bedeutet. Aber es war unsere Entscheidung zu Beginn und es ist auch unser Credo geblieben. Weil wir als Paar genauso funktionieren. Wenn ein Paar zu uns kommt, können beide Partner etwas für sich finden. Es soll für beide ein Erlebnis sein. Manchmal gibt es mit Freunden ein richtiges Get-Together, dann kommt auch mal mein Partner, der ebenfalls aus der Modebranche ist, dazu. Es entsteht ein ganz spezielles Ambiente, das alle beflügelt – nicht nur modetechnisch.

Ihr arbeitet richtig gut zusammen?

Ja, es läuft richtig harmonisch ab. Wir sind mittlerweile ein sehr eingespieltes Team, fast symbiotisch. Wir sehen beim Einkauf in Mailand oft schon unsere Kunden vor Augen, für die wir bestimmte Entwürfe erwerben. Das hat mit Erfahrungswerten zu tun. Wir sind zirka zehn Mal pro Jahr in Italien zusammen auf Einkaufstour, zwei Mal in Paris und zwei Mal in Deutschland. Der Einkauf von Kleidern ist jede Saison ein grosses Investment. Aus der grossen Auswahl in den Showrooms der Designer kuratieren wir unsere kundenspezifische Auswahl, die meine Boutique einzigartig macht. Wenn wir beim Einkauf daneben liegen, wird es ganz schön teuer!

Was macht euren Erfolg aus?

Unsere Kunden wollen nicht die Anonymität der Stadt, sie schätzen die ganz persönliche, individuelle Beratung. Wir haben drei Kundenparkplätze vor der Haustüre und bieten die Möglichkeit an, Kleider zu Kundinnen heimzuschicken. Ich gehe auch zu Kunden nach Hause, sehe mir den Kleiderschrank an, nehme Änderungen vor. Das sind Dinge, die mich immer noch begeistern. Wir haben Kunden die extra aus Basel, Bern und Aarau zu uns anreisen. Aber es ist auch ein grosses Engagement von unserer Seite. Es ist wie bei Künstlern oder Sängern, jeder braucht sein Publikum, welches ihn liebt und seine Kunst schätzt.